Den Wert eines Orientteppichs erkennen
Ein Erbstück, ein Fund vom Flohmarkt oder der Teppich, der seit Jahrzehnten im Wohnzimmer liegt: Ob er wertvoll ist, verraten sechs Merkmale. Wir erklären, worauf Teppichhändler achten.

Ob ein Teppich ein paar hundert oder viele tausend Euro wert ist, sieht man nicht auf den ersten Blick. Teppichhändler achten auf eine Handvoll Merkmale, die Sie mit etwas Übung auch selbst prüfen können.
1. Handgeknüpft oder maschinell?
Drehen Sie den Teppich um. Bei einem handgeknüpften Teppich sehen Sie auf der Rückseite das Muster fast genauso deutlich wie vorn, mit kleinen Unregelmäßigkeiten. Die Knoten sind einzeln zu erkennen. Maschinenteppiche haben ein sehr gleichmäßiges Raster, oft mit einer Kunststoffbeschichtung oder einem aufgeklebten Rücken.
Auch die Fransen verraten viel: Bei einem echten Knüpfteppich sind sie die Enden der Kettfäden, die durch den ganzen Teppich laufen. Sind sie nachträglich angenäht, ist der Teppich in aller Regel maschinell gewebt oder handgetuftet.
2. Die Knüpfdichte
Je mehr Knoten pro Quadratmeter, desto feiner kann das Muster sein und desto mehr Arbeit steckt im Teppich. Einfache Dorfteppiche haben oft unter 100.000 Knoten pro Quadratmeter, feine Manufakturteppiche aus Isfahan, Nain oder Ghom eine Million und mehr. Zählen Sie auf der Rückseite die Knoten auf 10 cm in Länge und in Breite, multiplizieren Sie die beiden Werte miteinander und das Ergebnis mit 100. Beispiel: 30 × 30 Knoten ergeben 900 Knoten pro 10 × 10 cm, also 90.000 Knoten pro Quadratmeter.
Die Knüpfdichte ist aber nicht alles. Ein grob geknüpfter Nomadenteppich mit alten Pflanzenfarben kann wertvoller sein als ein feiner, aber neuer Manufakturteppich.
3. Das Material
- Schurwolle und Korkwolle: Korkwolle stammt von Hals und Schultern des Schafs, sie ist besonders fein und glänzend.
- Seide: sehr fein, mit typischem Glanz, der je nach Blickrichtung wechselt. Seidenteppiche gehören zu den wertvollsten Stücken.
- Viskose oder Kunstseide: glänzt ähnlich wie Seide, ist aber deutlich weniger wert und empfindlich gegenüber Nässe.
- Kunstfaser: fühlt sich glatter und gleichmäßiger an und hat keinen Wollgeruch.
Die sogenannte Brennprobe an einer einzelnen Faser zeigt, ob es Wolle, Seide oder Kunstfaser ist. Bitte machen Sie sie nicht am Teppich selbst. Wir prüfen das Material gern für Sie.
4. Die Farben
Pflanzenfarben aus Krapp, Indigo oder Granatapfel altern schön und haben oft feine Farbabstufungen innerhalb einer Fläche, den sogenannten Abrasch. Er entsteht, weil die Wolle in mehreren Partien gefärbt wurde, und ist bei Kennern geschätzt. Grelle, sehr gleichmäßige Farben deuten eher auf synthetische Farbstoffe hin.
5. Herkunft und Alter
Teppiche werden nach ihrer Herkunft benannt: Täbriz, Isfahan, Nain, Ghom, Kaschan, Heriz oder Bidjar in Persien, dazu Teppiche aus dem Kaukasus, aus Afghanistan, der Türkei oder Turkmenistan. Jede Region hat eigene Muster, Knoten und Farben. Als antik gilt ein Teppich ab etwa hundert Jahren, als halbantik ab etwa fünfzig.
6. Der Zustand
Abgelaufener Flor, Mottenfraß, ausgeblutete Farben, Löcher und unsachgemäße Reparaturen mindern den Wert erheblich. Ein gut erhaltener Teppich mit sauberem Flor, intakten Kanten und Fransen ist deutlich mehr wert als ein gleichwertiges Stück mit Schäden. Deshalb lohnen sich regelmäßige Pflege und fachgerechte Reparaturen.
Ist ein Teppich eine Wertanlage?
Manche besonders seltene, alte Teppiche steigen im Wert. Die meisten Teppiche sind aber vor allem eines: ein schönes Stück Handwerk, das man täglich nutzt und das viele Jahre Freude macht. Ihr Wert bleibt erhalten, wenn sie gepflegt werden, und sinkt schnell, wenn nicht.
Wir sehen ihn uns gern an
Als Großhändler für Orientteppiche haben wir über 10.000 Teppiche im Haus und sehen jeden Tag Teppiche aus allen großen Knüpfregionen. Bringen Sie Ihren Teppich vorbei, wenn Sie ihn waschen oder reparieren lassen möchten. Wir sagen Ihnen, ob sich Wäsche und Reparatur lohnen.